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WTM 8/2004
INHALT WTM 8/2004

J. Baumgartner, R. Binder, W. Hagmüller, P. Hofbauer, C. Iben, U.S. Scala und C. Winckler:
Aktuelle Aspekte der Kastration männlicher Ferkel 2. Mitteilung: Alternativmethoden zur chirurgischen Kastration und zusammenfassende Bewertung
Castration of male piglets (II): alternatives and conclusion

A. Schönfelder, E. Ludewig und A. Sobiraj:
Polymelie beim Kalb - ein Fallbericht
Polymelia in a calf - a case report

K. Witter, M. Egerbacher, P. Matulová und V. Paral:
Morphologie der Verbindung zwischen Rippenknochen und Rippenknorpel - eine Diskussion der Begriffe „Synchondrosis“ und „Symphysis“
Morphology of the junction between rib bone and rib cartilage – a discussion of the terms “synchondrosis“ and “symphysis“

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Aus dem Department für Öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin1 und dem Klinischen Department für Tierzucht und Reproduktion2 der Veterinärmedizinischen Universität Wien, dem Department für Nachhaltige Agrarsysteme der Universität für Bodenkultur Wien3 und dem Institut für Biologische Landwirtschaft und Biodiversität der Bundesanstalt für Alpenländische Landwirtschaft Gumpenstein4

Aktuelle Aspekte der Kastration männlicher Ferkel 2. Mitteilung: Alternativmethoden zur chirurgischen Kastration und zusammenfassende Bewertung

J. BAUMGARTNER1, R. BINDER1, W. HAGMÜLLER4, P. HOFBAUER1, C. IBEN1, U.S. SCALA2 und C. WINCKLER3
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 91 (2004), 198 - 209

Schlüsselwörter: Ferkelkastration, Tierschutz, Ebergeruch, Androstenon, Skatol, Ebermast, Immunkastration.

Zusammenfassung
Fleisch von geschlechtsreifen Ebern kann in Geruch und Geschmack erheblich von der Verbrauchererwartung abweichen. Für den sogenannten Ebergeruch sind Androstenon und Skatol hauptverantwortlich. Androstenon ist ein testikuläres Steroid, Skatol entsteht beim mikrobiellen Tryptophanabbau im Dickdarm. Sowohl in Bezug auf die regionale Häufigkeit von Ebergeruch im Fleisch als auch hinsichtlich der Sensibilität der Konsumenten bestehen erhebliche Unterschiede. Um Ebergeruch zu vermeiden, werden männliche Ferkel üblicherweise chirurgisch ohne Schmerzausschaltung kastriert. Diese Methode ist aus ethischer Sicht abzulehnen. Eine tierschutzkonforme und praxistaugliche Problemlösung kann durch eine begleitende Schmerzausschaltung (siehe 1. Mitteilung), durch vollständigen Verzicht auf die Kastration (Ebermast) oder durch Anwendung alternativer Kastrationsverfahren (Immunkastration) erfolgen. Chirurgische Kastration unter Allgemeinanästhesie durch Injektionsnarkose muß als nicht praxisreif bezeichnet werden. Die begleitende Allgemeinanästhesie durch Inhalationsnarkose mittels CO2/O2 und die Lokalanästhesie werden als weitgehend praxistauglich beurteilt. Die in einigen Staaten der EU praktizierte Ebermast ist aus tierethischer Sicht besonders vorteilhaft. Eine erfolgreiche Umstellung des Produktionsverfahrens erfordert jedoch weitreichende Anpassungen in Bezug auf Haltung, Fütterung, Zucht und Schlachtzeitpunkt sowie ein zuverlässiges Detektionsverfahren für Ebergeruch am Schlachtband. Ebermast ist deshalb für österreichische Bedingungen als nicht unmittelbar umsetzbare, aber mittelfristig anzustrebende Alternative zur chirurgischen Kastration einzustufen. Die Immunkastration männlicher Schweine wird durch zweimalige aktive Immunisierung gegen das im Hypothalamus gebildete Peptid GnRH erreicht. Durch Unterbrechung der Hypothalamus- Hypophysen-Gonaden-Achse wird die Produktion von Sexualsteroiden weitgehend verhindert. Immunkastration stellt eine im Vergleich zur chirurgischen Kastration zu vernachlässigende Beeinträchtigung der Tiere dar. Der Verzehr des Fleisches immunkastrierter Schweine bedeutet kein Gesundheitsrisiko für den Menschen. Auf Grund der in Australien und Neuseeland gewonnenen Erfahrungen wird die Immunkastration als grundsätzlich praxisreif und anwendungserprobt eingestuft. Im europäischen Raum ist jedoch zur Zeit kein geeignetes Präparat zugelassen.

Keywords: castration of piglets, animal welfare, boar taint, androstenone, skatole, fattening of entire male pigs, immunocastration.

Summary
Meat from entire male pigs may show odour and flavour aberrations known as boar taint, which are mainly caused by androstenone and skatole. Both the incidence of boar taint and the sensibility of the consumers vary substantially between countries. Surgical castration without anaesthesia is widely used to avoid boar taint. From an ethical point of view, this method should be abandoned because it causes severe pain and distress to the piglets. Apart from anaesthesia prior to castration, as described in the first communication, this problem could be solved by the production of entire male pigs or by using immunocastration. Whereas intravenous anaesthesia is not considered feasible, inhalation anaesthesia or local anaesthesia of the testicles are regarded as promising approaches. With regard to animal welfare, the production of entire male pigs is highly desirable but considerable adaptations along the production chain are necessary in order to avoid boar taint including management aspects, changes in slaughtermass and methodology for boar taint detection. Under Austrian conditions, fattening of entire male pigs should therefore be viewed as a long term perspective. Active immunization of entire male pigs against gonadotropin-releasing hormone at the end of the fattening period results in both a significant reduction of boar taint compounds and in increased feed efficiency. Pain and distress caused by the vaccination procedure are considered negligible compared to surgical castration. Health risks by the consumption of meat from immunocastrated pigs are not expected. Based on the results of the Australian pig industry, immunocastration is considered to be a practicable and effective technique. However, there has been no vaccine licensed in the EU so far.

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Aus der Ambulatorischen und Geburtshilflichen Tierklinik1 und der Klinik für Kleintiere2 der Universität Leipzig

Polymelie beim Kalb - ein Fallbericht

A. SCHÖNFELDER1, E. LUDEWIG2 und A. SOBIRAJ1
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 91 (2004), 210 - 213

Schlüsselwörter: Kalb, Polymelie, Mißbildungen, Anästhesiologie, Chirurgie.

Zusammenfassung
Kasuistisch wird über eine Polymelie berichtet. Diese nicht erbliche Mißbildungsform kommt unter den angeborenen Anomalien häufiger vor. Die Polymelien können in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die eine Gruppe wird durch asymmetrische Zwillingsmißbildungen charakterisiert, während die andere die Gliedmaßenverdoppelungen bzw. -vervielfältigungen zusammenfaßt. Äußerlich ist eine sofortige Zuordnung zu einer der beiden Gruppen nicht immer möglich. Die auslösenden Faktoren für diese Fehlbildung sind noch nicht eindeutig geklärt. Sie scheinen vielgestaltig zu sein. So werden Virusinfektionen, Toxine oder die Überalterung der Eizelle für die asymmetrischen Zwillingsmißbildungen verantwortlich gemacht. Bei den Extremitätenverdoppelungen werden Keimversprengungen oder Teilungsstörungen der Gliedmaßenanlage als ursächlich diskutiert. Anhand eines Patienten wird im folgenden Beitrag die Indikation für die Diagnostik sowie die anästhesiologische und operative Verfahrensweise dargelegt.

Keywords: calf, polymelia, congenital malformations, anesthesia, surgery.

Summary
Polymelia in a calf is reported casuistically. This noninherited malformation is quite common among congenital abnormalities in bovine animals. Polymelia can be divided in two groups: one group is characterized by asymmetric double malformations whereas limb duplications or multiplications are assigned to the other group. Externally, an immediate classification to one of the groups is not always possible. Causes of this malformation have not been identified clearly, yet, but they seem to be multifactorious. Asymmetric twin malformations are considered to be the result of viral infections, toxins and overripe oocytes. Dispersing of germinal cells or a prior splitting of the embryo have to be considered as possible causes for a simple doubling of limbs. By example of one patient, the indication for diagnostics as well as the anaesthesiological and surgical method are presented.

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Aus dem Institut für Histologie und Embryologie, Department für Pathobiologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Österreich1, dem Institut für Tierphysiologie und Genetik der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik2 und dem Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie der Veterinärmedizinischen und Pharmazeutischen Universität Brno, Tschechische Republik3

Morphologie der Verbindung zwischen Rippenknochen und Rippenknorpel - eine Diskussion der Begriffe„Synchondrosis“ und „Symphysis“

K. WITTER1, M. EGERBACHER1, P. MATULOVÁ2 und V. PÁRAL3
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 91 (2004), 214 - 221

Schlüsselwörter: Articulatio costochondralis, Kollagen, Pferd, Rind, Schwein.

Zusammenfassung
Die Begriffe „Synchondrosis“ und „Symphysis“ zur Bezeichnung knorpeliger Verbindungen werden in der Veterinäranatomie sehr uneinheitlich gebraucht. Meist charakterisiert„Synchondrose” eine durch hyalinen Knorpel, “Symphyse” eine durch Faserknorpel vermittelte Verbindung. In einer Symphyse verbindet Faserknorpel zwei mit hyalinem Knorpel bedeckte Knochenflächen, während Synchondrosen in der Regel als Wachstumszonen beschrieben werden. Informationen zur histologischen Struktur von Synchondrosen bei ausgewachsenen Tieren fehlen.

Ziel dieser Arbeit war es, die für knorpelige Verbindungen gebrauchten Begriffe aufgrund einer histologischen Untersuchung der Rippenknochen-Rippenknorpel-Verbindung von Schwein (6 Monate), Rind (24 Monate) und Pferd (adult) zu diskutieren. Als Kontrollpräparate für eine faserknorpelige Verbindung dienten der Discus intervertebralis und die Symphysis pelvina eines Schweines (6 Monate).

Wir schlagen vor, den Begriff „Synchondrose“ für die Bezeichnung einer durch hyalinen Knorpel vermittelte Verbindung zu verwenden, auch wenn die Grenze zwischen Knochen und Knorpel keine Wachstumszone darstellt. Der Begriff „Symphyse“ sollte faserknorpeligen Verbindungen vorbehalten bleiben. Die Verbindung zwischen Rippenknochen und Rippenknorpel konnte nicht eindeutig als Synchondrose oder Symphyse charakterisiert werden. Bei Jungtieren handelte es sich um eine Wachstumszone. Beim ausgewachsenen Tier lagerten sich Knochen- und hyalines Knorpelgewebe mit nur schwach gegliederten, glatten Grenzen übergangslos aneinander.Weder bei jungen, noch bei ausgewachsenen Tieren konnten faserknorpelige Elemente zwischen Os costale und Cartilago costalis nachgewiesen werden. Knochen- bzw. Knorpelhaut der Rippe, welche wahrscheinlich den mechanischen Zusammenhang beider Strukturen garantieren, enthielten allerdings Faserknorpel.

Im Gegensatz zu der Symphysis pelvina des Schweins, einer hyalinen Knorpelplatte mit beidseitigen Wachstumszonen, stellte der Discus intervertebralis eine echte, faserknorpelige Symphyse dar. Die Symphysis pelvina eines jungen Schweines konnte also nicht als positive Kontrolle für faserknorpelige Verbindungen genutzt werden.

Keywords: articulatio costochondralis, collagen, horse, cattle, pig.

Summary
Introduction
In veterinary anatomy, the terms “synchondrosis“ and “symphysis“ for cartilaginous junctions are often used in different meanings. Mostly, synchondrosis and symphysis characterise a junction facilitated by hyaline and fibrous cartilage, respectively. In a symphysis, fibrocartilage connects two bone surfaces covered with hyaline cartilage, whereas synchondroses are described as growth plates. Information on the histological structure of synchondroses in adult mammals is missing. The aim of this work was to discuss the terms used for cartilaginous junctions based on a study on the costo-chondral joint of selected domestic animals.

Methods
The costo-chondral junction of the pig (6 months), the cattle (24 months) and the horse (adult) has been studied anatomically and histologically. Distribution of collagen type I and collagen type II has been detected by immunohistochemistry. The intervertebral disc and the pelvic symphysis of a pig (6 months) served as a control for a fibrocartilaginous junction.

Results and conclusion
We suggest to use the term “synchondrosis“ only for junctures mediated by hyaline cartilage, even if the boundary between bone and rib does not represent a growth plate. The term “symphysis“ should indicate only fibrocartilaginous junctions. The junction between rib bone and rib cartilage could not be definitively characterised as a synchondrosis or a symphysis. In juvenile animals it was a growth plate. In adult animals, a smooth, wavy contact line between bone and hyaline cartilage without any transition zone could be detected. Neither in young nor in adult animals fibrocartilaginous elements were found between rib bone and rib cartilage. Periost and perichondrium of the rib, which probably guarantee the mechanical connection of bone and cartilage, however contained fibrocartilage. In contrast to the pelvic symphysis of the pig, a disc of hyaline cartilage with growth plates on both sides, the inter-vertebral disc represented a true symphysis facilitated by fibrocartilage. Thus, the pelvic symphysis of the juvenile pig could not be used as a positive control for fibrocartilaginous junctions.

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