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INHALT WTM 07/2002
H.E. König und E. Polsterer-Heindl:
Die anatomische Zeichnung im Wandel der Zeit
The anatomical drawing in the change of time
K.-D. Budras, B. Patan und Ch. Mülling:
Raster- und Transmissions-elektronenmikroskopische Untersuchungen
und physikalische Messungen zur Wasserbindungskapazität am Saumhorn
des Pferdehufes
Scanning and transmission electron microscopic examinations and physical
measurements regarding water
binding capacity in the perioplic horn of the equine hoof
Ch. K. W. Mülling and K.-D. Budras:
Morphology of the dermo-epidermal junction of the bovine hoof
with
reference to its biological function
Morphologie der dermo-epidermalen Verbindung der Rinderklaue mit Hinblick
auf ihre biologische Bedeutung
H. Capellari, M. Egerbacher, M. Helmreich und P. Böck:
Bau und Gewebekomponenten der Lyssa: Fettzellen,
myxoide Zellen und Knorpelzellen binden Antikörper gegen S-100 Proteine
Composition and tissue components of the lyssa: fat cells, myxoid cells,
and chondrocytes react
J. Maierl, R. Böhmisch und M. Metzner:
Biomechanische Testung des Aufhängeapparates des Klauenbeins
im Hornschuh bei Mastbullen
Biomechanical testing of the suspensory apparatus of the phalanx distalis
in the claw of beef bulls
Aus dem Institut für Anatomie der Veterinärmedizinischen Universität
Wien
Die anatomische Zeichnung im Wandel der Zeit
H.E. KÖNIG und E. POLSTERER-HEINDL
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 89 (2002), 171 - 178
 Schlüsselwörter:
Anatomie, wissenschaftliche Zeichnung, Kunst, Veterinärgeschichte.
Zusammenfassung
Zeichnungen von Tieren reichen in die Steinzeit zurück. Die exakte anatomische
Darstellung beginnt allerdings erst in der Renaissance, als Leonardo da Vinci,
ein Universalgenie seiner Zeit, sich genauer mit dem menschlichen und auch dem
tierischen Körper auseinandersetzte. Er gilt nicht nur als herausragender
Künstler, sondern begründete zudem die didaktische und wissenschaftliche
Zeichnung in der Anatomie. Für die Humananatomie gilt Andreas Vesalius
als der wissenschaftliche Begründer. Sein Buch wurde von einem anerkannten
Künstler illustriert. Carlo Ruini schreibt das erste Werk der Veterinäranatomie.
Sowohl Vesalius als auch Ruini stützen sich auf die Zeichnungen von Leonardo
da Vinci. Künstler waren auch bei den vielen Auflagen des heute klassischen
"Ellenberger und Baum" und bei denen des Atlas der Anatomie des Pferdes von
Schmaltz tätig. Vor allem die Bücher von Schmaltz gelten heute als
einmalige wissenschaftliche Kunstwerke. Die Kunst als wesentlicher Faktor der
anatomischen Forschung und Lehre ist auch heute für die Wissenschaft von
größter Bedeutung.
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Aus dem Institut für Veterinär-Anatomie der Freien Universität
Berlin, Deutschland
Raster- und Transmissions-elektronenmikroskopische Untersuchungen und physikalische
Messungen zur Wasserbindungskapazität am Saumhorn des
Pferdehufes
K.-D. Budras, B. PATAN und Ch. MüllinG
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 89 (2002), 180 - 187

Schlüsselwörter: Pferdehuf, Saumsegment,
Saumhorn, Struktur, Wasserbindung.
Zusammenfassung
Für die transmissionselektronenmikroskopische Untersuchung des Saumhorns
wurde eine neuentwickelte Nativmethode zur Herstellung von Ultradünnschnitten
verwendet, die bei Verzicht auf Fixierung und Einbettung eine erhebliche Material-
und Zeiteinsparung sowie eine bessere Schnittqualität ermöglicht,
weil Artefakte vermieden werden. Das Saumhorn wird in einen Saumhornkeil (Wulst
bei Feuchtigkeitssättigung) und eine Glasurschicht untergliedert. Das vergleichsweise
helle (elektronendurchlässige) Saumhorn ist durch einen Mangel an Keratinfilamenten
und Keratinfilament-assoziierten Proteinen gekennzeichnet, die durch wenige
Disulfidbrücken labil miteinander verbunden sind. Im lipidreichen Interzellularspalt
fallen elektronendurchlässige, tropfenförmige Erweiterungen auf, die
insgesamt eine hohe Wasserspeicherkapazität besitzen. Für die Regulierung
des Wassergehaltes, der mit physikalischen Meßmethoden ermittelt wurde,
ist das Saumhorn sehr wichtig, weil es im Vergleich zu anderen Hornmassen die
weitaus größte Wasseraufnahmekapazität aufweist, aber auch die
schnellste Wasseraufnahme und Wasserabgabe ermöglicht. Der physiologische
Wassergehalt beträgt 48,0 ± 6,86%, der maximale 71,36 ± 1,84%
und der minimale Wassergehalt 6,82 ± 1,37%. Dagegen wurden für das
benachbarte äußere Kronhorn nur 18,74 ± 0,62% bzw. 27,27 ± 1,46%
bzw. 5,53 ± 0,46% gemessen. Der Wassergehalt beeinflußt sehr stark
die Materialeigenschaften des Saumhorns und somit die Hornqualität des
unterlagernden äußeren Kronhorns. Die mechanische Widerstandsfähigkeit
und die Barrierefunktion gegen eine Invasion von Mikroorganismen sind im Saumhorn
gering ausgeprägt
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From the Department of Veterinary Anatomy, Freie Universität Berlin, Germany
Morphology of the dermo-epidermal junction of the bovine hoof with reference
to its biological function
Ch. K.W. Mülling and K.-D. Budras
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 89 (2002), 188 - 196

Keywords: bovine hoof, cattle,
dermo-epidermal junction, basal lamina, basement membrane, dermal papilla, dermal
lamina, transmission and scanning electron microscopy, cell maceration.
Summary
This study was designed to increase the knowledge about the dermo-epidermal
junction in the bovine claw and to establish the morphological background for
the increasing activities in fundamental research namely molecular biology
focusing on this part of the claw. The study was performed on dermo-epidermal
tissue samples which were obtained from the lateral claws of the hindlimbs
of fifteen cows. The morphological examination combined light and transmission
electron microscopy including immunohistochemistry as well as cell maceration
in combination with scanning electron microscopy.
The results provide a detailed description of the structure of the dermo-epidermal
junction focusing on ultrastructural aspects and the spatial relationship between
dermal and epidermal elements. Dermal papillae and laminae provide the basis
for the dermo-epidermal interaction. Their surface is increased by microfoldes
which interdigitate with long basal processes of the basal epidermal cells.
All ultrastructural elements of the basement membrane that have been described
for skin were demonstrated. The basal lamina showed a strong positive reaction
for laminin. The three-dimensional interaction of dermal and epidermal formations
is different from skin reflecting a perfect adaptation to the three major functions
of this region: mechanical junction, nutritional supply of the living epidermis
and exchange of signals between dermis and epidermis. The morphological findings
are discussed in relation to their biological role in the bovine claw and regarding
their significance for the pathogenesis of claw diseases.
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Aus dem Institut für Histologie und Embryologie der Veterinärmedizinischen
Universität Wien
Bau und Gewebekomponenten der Lyssa: Fettzellen, myxoide Zellen und Knorpelzellen
binden Antikörper gegen S-100 Proteine
H. CAPELLARI, M. EGERBACHER, M. HELMREICH und P. BÖCK
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 89 (2002), 197 - 202

Schlüsselwörter: Zunge, Lyssa, Carnivoren,
Histochemie, Ektomesoderm.
Zusammenfassung
Der Bau der Lyssa wurde bei Katze, Hund und Schwein histologisch und histochemisch
untersucht. Bei adulten Carnivoren ist die Lyssa ein median gelegenes, von
derbem Bindegewebe begrenztes, stabförmiges Stützelement an der Unterseite
des freien Zungenanteils. Bei Schweinen findet man topographisch korrespondierend
einen Fettstreifen mit Hyaluronsäure-reicher Matrix, dem aber eine Bindegewebshülle
fehlt. Bei Carnivoren enthält das Innere der Lyssa Fettgewebe, in den
kaudalen Abschnitten auch quer zur Längsachse verlaufende Muskelfasern
und einen dorsal aufgelagerten, zarten Längsmuskelstreifen. Unregelmäßig
in das Fettgewebe der Lyssa eingesprengt kommen Areale von myxoidem Gewebe
vor, dessen Matrix durch reichlich Hyaluronsäure gekennzeichnet ist. Die
sternförmig verzweigten myxoiden Zellen zeigen Vimentin, gleichzeitig
aber auch die neuroektodermalen Markerproteine S-100, GFAP und manchmal NSE.
Im Zentrum größerer myxoider Areale kommt es zur Differenzierung
von Faserknorpel, die Chondrozyten binden ebenfalls Antikörper gegen die
genannten Marker. In den Fettzellen der Lyssa kann S-100 nachgewiesen werden.
Im späten Fetalstadium und zum Zeitpunkt der Geburt existiert bereits
die bindegewebige Abgrenzung der Lyssa, das Innere wird von undifferenzierten,
polygonalen, epitheloid angeordneten Zellen eingenommen. Die Differenzierung
dieser Zellen zu Lipoblasten beginnt erst nach der Geburt, erste univakuoläre
Fettzellen treten nicht vor der 8. Woche auf.
Die Lyssa der Carnivoren wirkt für den rostralen Abschnitt der Zunge
als prall-elastisches Stützorgan. Kontraktion der Binnenmuskulatur in ihrem
kaudalen Anteil bewirkt mit der Reduktion des Volumens die straffe Ausrichtung
der formstabilen, nach dorsal konkaven Hülle; bei erschlaffter Binnenmuskulatur
ist die Lyssa weich, undulierend im Verlauf, und ihre Form gleicht sich den
Raumerfordernissen der Umgebung an. Die Lyssa bietet ein Beispiel dafür,
daß myxoides Gewebe als Vorläufer von Faserknorpel dienen kann. Entwicklungsgeschichtlich
sind an ihrem Aufbau beteiligte Gewebe von der cranialen Neuralleiste herzuleiten,
die Expression von neuroektodermalen Marker-Proteinen stimmt damit überein.
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Aus dem Institut für Tieranatomie und der II. Medizinischen Tierklinik der
Ludwig-Maximilians-Universität München
Biomechanische Testung des Aufhängeapparates des Klauenbeins im Hornschuh
bei Mastbullen
J. MAIERL, R. BÖHMISCH und M. METZNER
Vet. med. Austria/Wien. Tierärztl. Mschr. 89 (2002), 203 - 210

Schlüsselwörter: Rind, Phalanx distalis,
Klauenbeinträger, Biomechanik.
Zusammenfassung
Ziel dieser Arbeit war es, den Aufhängeapparat des Klauenbeins im Hornschuh
im Zugversuch mechanisch zu testen. Es wurde die maximale Belastbarkeit [N/mm2]
ermittelt und die Stelle im Gewebe bestimmt, an der die Proben im Zugversuch
versagten.
Dazu wurden gesunde, lahmheitsfreie Mastbullen im schlachtreifen Alter (Deutsches
Fleckvieh; Alter 18-20 Monate; 527 ± 25 kg; n = 13) ausgewählt.
Die Klauen wurden so aufbereitet, daß proximal im Wandsegment an 3 Stellen
(dorsal, abaxial, axial) die maximale Belastung des Aufhängeapparates gestestet
werden konnte. Darüber hinaus wurden von 4 Bullen die Proben nach dem Test
histologisch untersucht.
An der dorsalen Testposition reichten die Werte für Schulter- und Beckengliedmaßen
von 2,47-3,13 N/mm2. Abaxial lagen die Meßwerte zwischen 4,08-4,87 N/mm2
und axial zwischen 2,27-2,66 N/mm2. Die Zugfestigkeit zwischen den entsprechenden
Positionen (jeweils dorsal, abaxial, axial) an den korrespondierenden Klauen
(jeweils lateral-medial oder vordere-hintere) unterschieden sich nicht signifikant.
Innerhalb einer Klaue aber wies die abaxiale Teststelle gegenüber den beiden
anderen Testpositionen dorsal und axial an allen 4 Klauen eine signifikant höhere
Zugfestigkeit auf. Bei 57,1 % aller Proben zerriß das Gewebe in Höhe
der Lederhautblättchen (Stratum papillare). An 27,6 % der Proben zerriß das
Gewebe im darunter liegenden Stratum reticulare. Einige Proben (11,5 %) wurden
beim Zugversuch im Horn getrennt, einige weitere (3,8 %) rissen am Ansatz der
Lederhaut am Knochen aus.
Histologisch betrachtet zerriß das Gewebe häufig unkontrolliert
quer zu den Lederhaut- und Hornblättchen. Trennten sich Lederhaut und Horn
jeweils als ganze Lamellen, lag die Schwachstelle meist in Höhe des Stratum
spinosum der Oberhaut. Befand sich der Riß in tieferen Schichten der Lederhaut
war das Bindegewebe des Stratum reticulare betroffen. Bei der Trennung im Horn
war die Schwachstelle die Verbindung von Wand- und Kronhorn. Die Trennung am
Klauenbein selbst fand am faserknorpeligen Ansatz der Lederhaut statt.
Neben dem Versuchsaufbau und der Auswahl der Tiere werden die Befunde im Zusammenhang
mit neueren Theorien zur Reheerkrankung des Rindes diskutiert.
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